7109. AN DEN ETATSMINISTER GRAF PODEWILS IN BERLIN.

Potsdam, 2. December 1755.

Ew. Excellenz gnädiges Schreiben vom 1. dieses habe heute früh richtig zu erhalten die Ehre gehabt, und diene in ganz gehorsamster Antwort, dass des Königs Majestät die von Ew. Excellenz benannte Zeit zu Einsendung des Projets zur Instruction vor den Anonyme und nachher zur Unterschrift derer übrigen expedirten Originalien vermuthlich ganz gerne erwarten werden. Indess da Ew. Excellenz aus der gestern mit der Post eingekommenen kleinen Dépêche des Herrn von Maltzahn ersehen haben werden, was derselbe von denen Briefen, so der Graf von Broglie aus der Türkei erhalten hat, schreibet,406-3 so pressiren Se. Königl. Majestät nunmehro allerdings sehr darauf, dass der bekannte Anonymus seine Reise im Anfang künftiger Woche ganz in der Stille antreten soll.

Ew. Excellenz werden demnächst nicht ungnädig vermerken, wenn hierbei nur noch anführe, dass da Dieselbe nur allein der Instruction, der Vollmacht und derer drei Creditive zu erwähnen belieben, ich mich unterstehe, noch zu erinnern, dass überdem noch wohl ein Schreiben an den de Vergennes,406-4 desgleichen an den von Celsing,406-5 nicht weniger einiger Pass nöthig sein dörfte. Ich habe noch gestern umständlich mit dem vormaligen Rexin gesprochen, der mir auch nachher einiges schriftlich pro memoria aufsetzen müssen,406-6 was nämlich das kleine Detail von solcher Reise anbetrifft. Ich nehme mir die Freiheit, solches Ew. Excellenz im höchsten Vertrauen hierbei in Original zu communiciren,<407> jedoch mit gehorsamster Bitte, Sich davon gegen niemanden das geringste äussern zu lassen, noch sonsten in Dero Bericht an des Königs Majestät etwas davon zu erwähnen, weil ich gewiss persuadiret bin, dass Höchstdieselbe es nicht wohl nehmen würden, wenn mich in etwas ingerirte, so Dieselbe mit Ew. Excellenz nur mündlich besprochen hätten. Demnächst aber muss unterthänig bitten, nurgedachtes Promemoria noch mit dem heut Abend abgehenden Feldjäger wiederum zurück zu senden, weil ich nothwendig daraus und aus anderem, so des Königs Majestät sonst gesaget haben, eine particuläre Instruction, und zwar nur so viel des zu verschickenden Anonymi Oekonomie und Reiseroute anbetrifft, noch morgen früh anfertigen und Sr. Königl. Majestät zur Unterschrift vorlegen muss.407-1 In diesem Promemoria nun ist zwar vieles unnützes Detail enthalten, indess habe ich nur den einigen Umstand mit Ew. Excellenz Attention werth zu sein erachtet, ob etwa einiges Schreiben an den französischen Consul mitzugeben sei oder nicht. Sobald ich nur morgen früh erwähntes Promemoria zurück erhalten werde, so werde allenfalls des Königs Majestät selbst darüber anfragen und mich bei dem Rexin nach dem eigentlichen Namen des Consuls erkundigen. Beiläufig habe nur den Umstand noch anführen wollen, dass, woferne Ew. Excellenz nicht exprès nöthig finden, der Instruction des Anonymi dasjenige mit einrücken zu lassen, was Ew. Excellenz letzthin, dass nämlich derselbe seine Ankunft zu Smyrna dem von Celsing 8 Tage eher wie dem Vergennes melden könnte, gemeldet habe, solches sodann gar füglich daraus bleiben, und ich solches mit zu der hiesigen Privatinstruction nehmen könnte. Ueberhaupt habe nur gehorsamst anführen wollen, dass der zu verschickende Émissaire hier nichts weiter als seine particuläre ökonomische Instruction, sein Geld und den Chiffre mit bekommet, alles übrige benöthigte aber von Ew. Excellenz gewärtigen muss.

Ob sonsten dem Émissaire nach des Rexin Meinung ein besonderer Charakter zur Zeichnung des Tractats nöthig ist, solches muss Ew. Excellenz Einsicht und allenfalls näherer Anfrage bei Sr. Königl. Majestät gehorsamst überlassen; ich zweifele auch nicht, dass des Königs Majestät es Sich gar nicht entgegen sein lassen würden, wenn er denselben oder noch einen mehrern Charakter wie der Rexin erhielte.407-2 Sonsten muss Ew. Excellenz noch melden, wie ich fast urtheile, dass des Königs Majestät in den Gedanken stehen, als ob Ew. Excellenz den von Knyphausen bereits von der Schickung des neuen Émissaire informiret haben, um dem französischen Hof davon höchst vertraute Confidence zu machen, weil Sie mir befohlen haben, an den von Knyphausen besonders zu schreiben, mich darauf zu beziehen, damit er noch einen besonderen Pass bei M. de Rouillé fordersamst sollicitire. Sollte etwa dergleichen Expedition an den Herrn von Knyphausen noch nicht ergangen sein, so habe Ew. Excellenz um eine kleine Nachricht deshalb bitten, zugleich<408> aber mich unterstehen wollen, Dereselben Gutfinden gehorsamst anheimzugeben, ob nicht etwa mit nächstkommender Sonnabendspost408-1 dergleichen Expedition an den Herrn von Knyphausen noch abzulassen sei, inzwischen ich dasjenige, so Se. Königl. Majestät mir befohlen, verfolgen werde. Dass der von Celsing seinen Verweis von seinem Hofe bereits gehabt,408-2 als der von Rexin noch dorten gewesen, davon habe aus des letzteren Erzählungen fast ohnzweifelhafte Proben, zumalen da derselbe mir gesaget, dass ein Courier von ohngefähr Berlin aus allemal in 25 Tagen zu Constantinopel sein könne; er hat mir überdem gesaget, wie er den von Celsing darauf in seiner Gesinnung gegen ihn etwas geändert gefunden und solcher stärker wie vorhin auf seine Abreise insistiret habe, im übrigen aber in guter Intention geblieben wäre. Dass das schwedische Ministère gar nicht vor Se. Königl. Majestät portiret sei, davon habe wohl verschiedene Proben gesehen, der Cas scheinet mir allemal sehr croustilleux auf allen Seiten und so beschaffen zu sein, dass man sich darunter nur lediglich Sr. Königl. Majestät Willen und Handleitung überlassen muss. Ich kann nicht in Abrede sein, dass ich nicht recht gewiss bei mir bin, ob des Königs Majestät die Negociation hauptsächlich durch den de Vergennes oder den Celsing betrieben haben wollen, vermuthe aber fast ersteres und zweifele nicht, dass des Königs Majestät Sich deshalb umständlich gegen Ew. Excellenz mündlich expliciret haben werden. Ew. Excellenz werden mein langes Schreiben vor dieses Mal entschuldigen, zu Dero gnädigem Wohlwollen ich mich unterthänigst empfehle.

Eichel.

P.S.

Von einliegendem Promemoria haben des Königs Majestät noch nichts gesehen, sondern mir nur überhaupt befohlen, mit dem Rexin zu sprechen und von ihm, was etwa der Reise halber nöthig, zu vernehmen.

Nach der Ausfertigung.



406-3 Vergl. Nr. 7114.

406-4 Nr. 7122.

406-5 Nr. 7123.

406-6 Undatirt. Das Begleitschreiben Haude's an Eichel ist fälschlich vom 3. December datirt.

407-1 Vergl. Nr. 7120.

407-2 Vergl. S. 21.

408-1 6. December. Knyphausen bezieht sich auf diese Weisung in dem Berichte vom 22. December.

408-2 Vergl. S. 177. 392.