8146. AN DEN GENERALLIEUTENANT PRINZ MORITZ VON ANHALT-DESSAU IM LAGER BEI COTTA.

[Lobositz,] 2. October [1756].

Sie haben geglaubet, Sie kennten meine Armée; aber nach der gestrigen Probe können Sie glauben, dass nichts mehr in der Welt ihr unmöglich ist. Ich hoffe, dass mir auch die Officiers das Zeugniss geben werden, dass ich vollkommen meine Schuldigkeit darbei gethan habe, indem ich den Posten auf dem Feind genommen und die Attaquen so dirigiret habe, dass ich den rechten Flügel Infanterie beständig feste gehalten und nur mit dem linken, den ich zu Zeit verstärket, agiret habe. Meine Cavalerie hat mehr wie menschlich gethan; allein der Nebel hat sie und mir verführet: in summa, ich habe zuletzt die Cavalerie brauchen müssen, um mein erstes Treffen zu extendiren, und habe sie ins Centrum der Armée gestellet; und durch diese neue und vielleicht nicht ganz erlaubte Manöver habe ich mit meiner schwachen Infanterie den Feind seinen rechten Flügel überflügeln können, die Stadt Lobositz genommen, ihm depostiret und ihn zur Retraite gezwungen. Wegen seine Menge Kanonen und 34 Bataillons, so nicht getroffen haben, habe ihm nicht getrauet zu verfolgen, und bin wegen meiner Schwäche und grossen Mattigkeit der Pferde der Cavalerie gezwungen worden, ihm eine güldene Brücke zu machen; allein, mit 24 Bataillons 72 zu schlagen, habe gehalten, wäre genug, und wirklich hätte ich, nicht ohne närrisch zu handeln, die Cavalerie nachschicken können. Ich habe nicht einen Schritt gethan, ohne alles zu bedenken, und bin kaltsinnig gewesen bei Umstände, da einem der Kopf leicht umgehen kann.

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Adieu, mein lieber Prinz; wann ich Ihnen sehe, so werde Ihnen ein mehreres sagen. Nun muss der Matz483-1 capituliren; ich denke, dass ich die Sachsen in Lobositz werde gekriegt haben.

Friderich.

Nach der Ausfertigung im Herzogl. Haus- und Staatsarchiv zu Zerbst. Eigenhändig.



483-1 Vergl. S. 441.