10289. AU MINISTRE D'ÉTAT ET DE CABINET COMTE DE FINCKENSTEIN A BERLIN.

Dobrilugk, 7 septembre 1758.

Vous recevez ci-joint un précis des exactions, cruautés et horreurs que les Russes ont commises dans la Nouvelle-Marche,215-1 et je crois que le meilleur usage que nous en pourrions faire, serait de le faire insérer dans les gazettes tant françaises qu'allemandes,215-2 pour donner connaissance au public des cruautés et abominations que les Russes ont exercées dans la Nouvelle-Marche.

Je crois avoir renversé tous les desseins des Autrichiens sur la Saxe : mais, mais, mais, sur ce sujet les mais ne finiraient jamais!

Federic.

Das Corps des Generals Demikow, welches über Neuen-Wedell215-3 und Fürstenau medio Juni in die Neumark eindrang, fing seine Grausamkeiten damit an, dass es nicht nur Neuen-Wedell ausplünderte, die Einwohner mit Kantschuen übel tractirte,<216> die Weibspersonen schändete und selbst der General einige Bürgertöchter von 12 bis 15 Jahren mit sich wegnahm, sondern sie plünderten auch Fürstenau, steckten es in Brand und erschlugen des Arrendators216-1 Schmid Ehefrau. Sie nahmen ferner ihren Marsch über Hochzeit, Zatten und Regenthin, verheerten und plünderten auch diese Dörfer, desgleichen das Dorf Neuenbrück,216-2 allwo sie des dasigen Schulmeisters Tochter, ein Kind von 10 Jahren, geschändet, welches überhaupt an allen Weibspersonen verübet wurde, sobald sie sich mit der Flucht zu retten nicht vermögend waren. In Driesen steckten sie die Vorstadt und alle Scheunen in Brand. Sie plünderten ferner die Dörfer Hammer, Eschbruch, Modderwiese, Neuteich und Trebitsch. Auch steckten sie Vorbruch216-3 in Brand, schleppten den Förster Pohle nackend mit sich und tractirten ihn auf das grausamste.

Anfangs Juli plünderten sie Friedeberg, schlugen den Gärtner vom Amte Driesen todt, gingen mit den Magistratspersonen auf das grausamste um, begingen dabei sodomitische Schandthaten mit denen Weibsbildern; auch steckten sie die Mühle zu Altenfliess in Brand.

Bei Annäherung der Hauptarmee gegen Küstrin verheerten die Russen nicht nur ebenfalls den ganzen Strich, welchen sie passirten, sondern sie tractirten auch die Einwohner ohne Ansehen der Person sehr übel mit Schlägen. In Tamsel erschossen sie den Administrator, in Blumberg und Gross-Cammin massacrirten sie unterschiedliche Bauern, auch ganz kleine unschuldige Kinder nebst ihren Müttern, wovon die zerstümmelten Körper in denen Häusern und Scheunen gefunden worden. Die Dörfer Zorndorf, Zicher und das Amt Quartschen steckten sie in Brand und machten also auch diese ganze Gegend zur Wüsten.

Nach dergleichen Beispielen von Grausamkeiten und Mordbrennerei sollte man kaum glauben, dass eine Nation ihre Bosheit weiter treiben könnte. Nur die russische Armee wusste und verübte noch grössere Schandthaten, um ihr verabscheuungswürdiges Andenken bei der Nachwelt zu verewigen. Sie scheueten sich nämlich nicht, die Kirchen zu eröffnen und zu verunreinigen, der Bibel zu dem schändlichsten Gebrauch sich zu bedienen, die Gräber und Gewölbe zu Öffnen, die todten Gerippe herauszureissen und umherzuschleppen: wie sie dann solches unter andern in Cammin an dem Leichnam des seligen Generalfeldmarschalls von Schlabrendorff und in Birkholz an dem Leichnam des Generallieutenants von Ruitz verübet haben.

Nach der Ausfertigung. Der Zusatz zu dem königlichen Schreiben eigenhändig.



215-1 Vergl. schon S. 192. 203.

215-2 Das Précis erschien, theilweise etwas zusammengezogen, in Nr. 109 der „Berlinischen Nachrichten“ am Dienstag 12. September.

215-3 Neuwedell und Fürstenau östl. von Arnswalde.

216-1 Pächter.

216-2 Die vier Dörfer im Südosten von Fürstenau.

216-3 Die sechs Dörfer in der Gegend von Driesen.