<192>

10903. AN DEN ETATSMINISTER FREIHERRN VON SCHLABRENDORFF IN BRESLAU.

Landshut, 26. April 1759.

Es liegen hier längs denen Grenzen gegen Böhmen verschiedene Dörfer, in welchen die Oestreicher zum Theil Fourageausschreibungen machen, zum Theil auch die Fourage wegnehmen. Um nun solches zu verhindern und die armen Unterthanen so viel möglich ohne Schaden zu halten, habe Ich befohlen, dass diese Dörfer alles ihr vorräthiges Getreide und Fourage an unsere Magazins hieselbst völlig abliefern sollen, dagegen der Generallieutenant von Wedell ihnen Quittungen oder Scheine über das abgelieferte geben soll. Mein Wille ist demnach, dass Ihr denen Unterthanen dasjenige insgesammt, was sie nach des Generallieutenant Wedell Quittungen oder Scheine abgeliefert haben, richtig in Gelde vergüten sollet. Wornach Ihr Euch also zu achten habet. Hierdurch wird erhalten, dass der Feind nicht die Fourage von denen Unterthanen bekommen, noch solche denenselben wegnehmen kann, dass aber auch zugleich die armen Unterthanen nicht das ihrige gänzlich verlieren, sondern die Bezahlung in Gelde davor bekommen und sich also dadurch wiederum mit helfen können.

Friderich.

Nach der Ausfertigung im Kriegsarchiv des Königl. Grossen Generalstabs zu Berlin.


10904. AN DEN GENERAL DER INFANTERIE BARON DE LA MOTTE-FOUQUÉ.

Landshut, 26. April 1759.

Ich habe aus Euerm Bericht vom 25. ersehen, welchergestalt das de Ville'sche Corps weiter vorgerücket ist; daher Ihr ganz recht gethan, Euch auf Neustadt zurückzuziehen. Da es nun dadurch das Ansehen bekommet, als ob vielleicht auf der Seite was zu thun sein würde, so glaube Ich Meiner Schuldigkeit zu sein, wenigstens zu tentiren, wie weit es möglich sei, und ob man schon nicht sagen kann, ob und wie weit es reussiren wird oder nicht, so muss Ich es doch probiren. Dahero Ich Euch dann sagen will, wie Mein Dessein ist, über die 4 Bataillons, so Ihr bei Euch gehabt, noch mit 6 Bataillons zu Euch zu stossen, ingleichen die 2 Bataillons aus Neisse dazu zu nehmen. Alsdann wollen wir denen Leuten gerade auf den Hals gehen und unser Heil probiren, wie weit es gehet; wenn es auch nicht mehr ist, so werden wir sie wenigstens wieder in die Berge hereinjagen.

Weil den 29. dieses alles in Neisse sein kann, so werde Ich den 30. zu Euch stossen. Ich denke, Ihr werdet die Pontons noch wohl bei Euch haben; Eure Arrangements aber habt Ihr wegen der Wege zu machen, wie und in wie viel Colonnen wir grade auf Bladen,1 wo



1 Südl. von Leobschütz.