<544> Bataillon nach Brieg zur Verstärkung der Garnison geschicket, ist recht sehr gut. Sollten die Russen wirklich nach der Seite von Oberschlesien marschiren, so wird der Generalmajor von Knobloch jenseits der Oder auch nichts zu thun haben,1 und kann derselbe sich alsdenn in das Retranchement von Neubrück setzen, Ihr aber werdet wohl gar nach Wansen oder nach Ohlau marschiren können. Jedennoch muss dieses noch recht überleget werden, denn Ich Euch nicht verhalten kann, dass wir erst noch klärer sehen müssen, wo die Leute eigentlich hin wollen, ehe man seine Partie nimmt.

Continuiret inzwischen nur, Mir von allem, was Ihr erfahren könnet, genaue Nachrichten zu geben, auf dass Ich desto eher Meine Mesures darnach nehmen könne.

Friderich.

Nach dem Concept.


13063. AN DEN ETATSMINISTER GRAF FINCKENSTEIN IN MAGDEBURG.

Pilzen, 18. Juli 1761.

Ob ich gleich alle Ursach habe, die en Chiffre hiebeigehende Pièce2 äusserst zu secretiren, und ich keinen Befehl, aber auch kein Verbot habe, solche Ew. Excellenz zu communiciren, noch davon Part zu geben, so habe ich dennoch vor meinen pflichtmässigen Devoir gehalten, Ew. Excellenz von solcher, wiewohl vertrauliche, Confidence zu machen, einestheils damit Dieselbe bloss vor Sich allein Dero Mesures auf gewisse Fälle darnach dirigiren können, anderentheils damit doch eine Copei davon bei den königlichen secreten Papieren bleibe, woferne ich hier in der Campagne in eine so facheuse Situation kommen sollte, dass ich das Original davon aus Präcaution wegen des Feindes nebst anderen bei mir habenden Papieren von einiger Conséquence entweder selbst verbrennen oder verbrennen lassen müsste; ich wünsche nur, dass solche Copie auch dort in aller Sicherheit bleiben und conserviret werden möge, im übrigen dass Ew. Excellenz geruhen, das höchste Secret davon zu halten und mir insonderheit äusserst dessentwegen zu menagiren, auch selbst wegen des Déchiffreurs dort gewisse Mesures zu nehmen, damit nie davon etwas eclatiren, auch derselbe durch eine schlechte Contenance gegen andere etwas wider Willen davon trahiren möge, wann er durch den Wahn [verleitet wird], dass alle Uebel geschehen müssten, was ein Feind projetiret hat. Noch zur Zeit hat der König von dieser Pièce keinem Menschen Communication thun lassen, als nur allein dem Prinz Heinrich, dem derselbe aber auch das grösste Secret deshalb aufgebunden. Ich glaube aber doch, dass es gut seie, wann Ew. Excellenz dem regierenden Herzoge von Braunschweig ohnmaassgeblich im höchsten Vertrauen einiges Avertissement von dem einigen Articul des Desseins einer projetirten Surprise von der Stadt Braunschweig gäbe, um dort alle Präcautiones dessenfalls de longue main und beständig zu nehmen, auch vigilant und attent zu sein, ohne dem Herzog weiter etwas zu schreiben, noch woher es komme oder wohin es gehe. Ich wünschete, dass es Sr. Königl. Majestät eingekommen wäre, auch dem Prinz Ferdinand von Braunschweig nur bloss von dem zu communiciren, was ihm daraus angehet; es wäre allemal ein avis au lecteur vor ihm. Vielleicht hat solches der Prinz Heinrich suppliret.



1 Vergl. S. 540.

2 Der von Plotho eingesandte feindliche Operationsplan, vergl. Nr. 13060 und Nr. 13061.