12449. AN DEN GENERALLIEUTENANT VON TAUENTZIEN, COMMANDANTEN VON BRESLAU.

Kemberg, 28. October 1760.

Ich bin Euch vor die in Euerm Schreiben vom 21. dieses gemeldete Vorfallenheiten obligiret. Da nach solchen der Laudon mit seinen Truppen seinen Weg nach Cosel hin genommen und diese Festung belagern zu wollen scheint, so habt Ihr an den Generallieutenant von Goltz, der mit seinem Corps nun bereits gegen Glogau angekommen sein wird, zu schreiben, wie Ich hoffete, dass er solche Belagerung von Cosel nicht leiden, sondern auf das baldmöglichste dahin marschiren und dadurch den Laudon zwingen würde, die Belagerung aufzuheben, und dass Goltze allenfalls Cosel entsetzen und dem Laudon eine tüchtige Schlappe anhängen werde, wozu derselbe ein genügsames Corps habe, zumalen wenn er sich nach der bei sich habenden Ordre aus der Garnison von Breslau mit einigen Bataillons verstärkete.

Von hier aus nur etwas von denen Sachen zu schreiben, so dienet Euch zur Nachricht, dass, nachdem Ich mit der Armee über Sagan gegen Guben gekommen, denen Russen auf den Hals zu gehen, solche sofort den Tschernischew wieder an sich gezogen und sich über Drossen und Zielenzig nach Polen retiriret haben. Ich habe Mich darauf gleich über Lübben hierher nach Sachsen gezogen und zwar Wittenberg schon von dem Feinde genommen gefunden, welcher aber diesen Ort gleich gegen Meine Ankunft verlassen und die Reichsarmee sich jenseit der Elbe gezogen hat, währender Zeit der Württemberger mit seinem Corps gleichfalls nach Halle und jetzo nach Leipzig zurückgelaufen ist. Daun und Lacy sind in der Gegend von Torgau und Pretzsch die Elbe passiret, und da Ich bei Rosslau gleichfalls über die Elbe gegangen bin und Mein Lager hier genommen, hat sich Daun darauf weiter gegen Eilenburg und Düben zu gezogen. . .

D[aun] gegen Eilenburg; müsste zwischen Leipzig, Düben, Eilenburg bei Ohren kriegen, und die B[ataille] w[ürde] hier alles decidiren.

[Friderich.]

Nach einer corrigirten Ausfertigung, deren Schluss chiffrirt ist. Der Schluss ( „Daun“ bis „decidiren“ ) nach der Weisung [Bleinotiz] auf der Rückseite des Berichts von Tauentzien, d. d. Breslau 21. October, welche jedenfalls dem chiffrirten Theil obiger Ausfertigung zu Grunde gelegen hat.

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