12658. AN DEN CAPITÄN VON ANHALT.209-5

Leipzig, 2. Februar 1761.

Was Ich Euch nachstehend im höchsten Vertrauen gegen Euch schreibe, davon verbiete Ich Euch bei Ehre und Reputation, zuvorderst keinem Menschen auf der Welt, es sei auch wer es wolle, kein Wort davon zu sagen.

<210>

Und zwar soll Euch zu Eurer Direction dienen, dass der Prinz Ferdinand von Braunschweig den 9. dieses Monates Februarii seine Expedition gegen die Franzosen anfangen wird. Sein Generalplan210-1 deshalb ist dieser, dass er ermeldeten Tages sowohl selbst als auch seine detachirte Corps zugleich aufbrechen wird. Gedachter Prinz Ferdinand wird den 9. dieses den Erbprinzen von Braunschweig an sich ziehen und das Gros seiner Armee an der Diemel versammlen, der General von der Infanterie von Spörcken aber die seinem Commando besonders anvertrauete Truppen gleichfalls den 9. dieses zwischen Duderstadt und Mühlhausen zusammenziehen. Den 10. Februarii wird Ruhetag sein, um die Fourage und das Brod vor die Truppen zu arrangiren. Den 11. dieses brechen alle Corps zugleich auf, und zwar der Prinz Ferdinand selbst gegen Cassel, der Erbprinz von Braunschweig nach dem Waldeckschen und so weiter nach der Eder, und der General Spörcken wird den 11. Februarii mit seinem Corps bei Mühlhausen kommen. Den 12. wird er diesseits Langensalza sein und den 13. darauf das Corps Sachsen zu Eisenach attaquiren. Sein Hauptbut wird alsdenn sein, die Werra auf der Seite von Vacha zu passiren und das grosse französische Magazin zu Hersfeld210-2 zu nehmen, welches nur drei Meilen von Eisenach ist.

Weil Mir nun an dem glücklichen Success dieser Sache gar viel gelegen ist, so müssen wir sehen, so viel es Mir nur möglich sein wird, es so zu machen, damit diese Expedition reussiret. Dahero dann sowohl das Corps von dem Obristen von Lölhöffel210-3 als auch das vom Generalmajor von Syburg210-4 ebensowohl gegen gedachte Zeit vorrücken muss. Es muss also das Corps den 9. dieses mit Brod auf 9 Tage und mit 3 Tage Fourage versehen sein; und sobald er, General Spörcken, bis Eisenach vorrücken wird, so will Ich, dass Meine Leute dorten zum Soutien des Spörck[en]schen Corps mit, und zwar bis gegen Eisenach, vorrücken sollen. So viel Ich judiciren kann, so werden sich die Sachsen gegen Cassel zu denen Franzosen ziehen wollen, und da bei der Expedition des General Spörcken es hauptsächlich darauf angesehen ist, das feindliche Magazin in Hersfeld zu nehmen, also müssen<211> Meine dasige Corps nicht weiter vor, sondern zwischen Langensalze und Eisenach Halt machen, und zwar dieses aus der Ursache, weil es leicht arriviren könnte, dass der General Hadik mit einem Theil der Reichstruppen dem General Spörcken würde im Rücken stehen wollen; daher dann Meine Leute dort das Projet bis gegen Eisenach souteniren und darnach sich denen andern im Rücken setzen müssten.

Bei solcher Gelegenheit müssen Meine Leute alsdenn von Langensalze und übrigen dortigen Gegenden herum noch fordersamst alles von Contribution, Mehl- und Fouragelieferungen, Rekruten und sonsten alles, was daher entrichtet werden sollen, auch was sie nur kriegen können, ein- und beitreiben, gleichwie sie dann auch alle Deserteurs, so viel deren zu bekommen seind, nehmen müssen, um solche zu Completirung derer Freibataillons oder auch, wenn recht was gutes darunter ist, bei denen Regimentern zu gebrauchen.

Nachdem dieses alles geschehen sein wird, so werde Ich Mein dortiges Corps wieder nach Freiburg und der Gegend zurückziehen.

Wann Ihr die Zeitung von dem wirklichen Aufbruch des Prinzen Ferdinand und des General Spörcken bekommen werdet, alsdenn sollet Ihr diese Meine Ordre denen dort commandirenden Officiers weisen und lesen lassen, damit sie sehen, dass alles Meine expresse Ordre ist; vorher aber sollet Ihr absolument keinen diese Ordre sehen lassen, noch was davon sagen, denn Ihr Mir inzwischen vor das Geheimniss deshalb responsabel bleiben müsset.

Dieses muss keinem Menschen vor der Zeit communiciret werden, und währender Expedition muss ich alle Tage Nachricht haben.

Friderich.

Nach der Ausfertigung im Kriegsarchiv des Königl. Grossen Generalstabs zu Berlin. Der Zusatz eigenhändig.



209-5 Die Berichte des Hauptmanns von Anhalt sind im Februar datirt am 3. aus Bibra, am 7. aus Wiehe, am 10. aus Cölleda, am 12. und 13. aus Gross-Sömmern (nordöstl. von Langensalza), am 14. aus Sundhausen, vom 16. bis 19. aus Langensalza, am 21. und 22. aus Gotha, am 24. und 26. aus Erfurt.

210-1 Das folgende nach dem Bericht des Prinzen Ferdinand, d. d. Uslar 28. Januar. Vergl. Nr. 12654.

210-2 Hier und in den folgenden Schreiben stets „Hirschfeld“ genannt.

210-3 Durch eine Ordre vom 4. Februar wird dem Obersten von Lölhöffel bekannt gemacht: „Ueber dasjenige, was etwa Eurer Orten weiter zu thun sein dörfte, verweise Ich Euch hierdurch an Meinen Capitän und Flügeladjutanten, den von Anhalt, welcher sich jetzo bei dem Corps des Generalmajor von Syburg befindet und welchen Ich mit einigen secreten Commissionen chargiret habe.“

210-4 Auf dem Bericht Syburgs, d. d. Freiburg 31. Januar, finden sich die Weisungen für die Antwort: „Dankte für die Zeitung, und bis Laucha, Nebra und Querfurt kann er vorrücken, weiter nicht (vergl. S. 206); und zu vermuthen wäre es, dass die Franzosen und Aliirte sich zwischen Gotha und Eisenach wieder zurückziehen würden. Die Kavallerie könnte doch, wenn alles geruhig wäre, Fourage und Geld eintreiben, wie es die Officiers schon wüssten.“