12758. AN DEN ETATSMINISTER GRAF FINCKENSTEIN IN MAGDEBURG.

Meissen, 23. März280-3 1761.

... Des Königs Majestät haben . . . Dero gemachte Tour von Leipzig über Rochlitz, Chemnitz und Freiberg hieher glücklich zurückgeleget und seind den 20. dieses allhier ganz satisfait von allem, wie Sie Dero Sachen der Orten gefunden, hier angekommen; bei welcher Gelegenheit sich verschiedene derer auf solcher Tour gelegenen sächsischen Städte von Deroselben Gegenwart zu erfreuen gehabt, da Sie denenselben ganz beträchtliche Remissiones von denen sonst auf solche ausgeschriebenen Brandschatzungen ertheilet haben . . .

Das mit der letzteren Dépêche des Herrn von Borcke eingekommene bewusste kleine Schreiben280-4 ist vor dieses Mal sehr kurz gewesen und enthält nichts weiter, als dass, weil die letztere Antwort auf die zweite französische Déclaration zu diffuse sei, als dass solche mitgeschicket werden könnte.280-5 Solche wäre aber exactement in der Idee des lezteren Mémoire von dem französischen Ambassadeur dressiret. Man proponire ein Armistice in statu quo und zu entamirende Negociations zu London und zu Paris. Die Antwort darauf ist auch ganz kurz ausgefallen. Man wünschet, dass man dorten bald die Supériorité erhalten und conserviren möge, um die Sachen zu einer baldigen Pacification lenken zu können. Vielleicht haben Ew. Excellenz schon erst erwähnte Antwort in extenso von des Herrn General von Donop Excellenz erhalten ....

Hiesiger Orten ist bis dato noch alles ganz geruhig; unter denen österreich<281>sehen Truppen geschehen sowohl hier als in Schlesien beständige Remuements und ziehen sich Regimenter in Böhmen zurück, da andere wiederum vorrücken. Die eigentliche Absicht davon ist noch nicht zu penetriren gewesen; die Bruits von einem Marsch nach Italien281-1 laufen noch wie vorhin. Die Fonds in Wien müssen beiräthig sein, weil die Oesterreicher klagen, dass ihnen seit zwei Monaten die Tractamenter ausgeblieben. Als letzthin die Österreichschen auf denen böhmischen Grenzen hiesiger Orten stehende Husaren ihre Löhnungen in kupferner Scheidemünze empfangen sollen, haben selbige declariret: „Nicks vor Kupfer! vor Gold!“ 281-2

Noch zur Zeit ist der Feldmarschall Daun noch nicht zu Dresden angekommen; einige Nachrichten geben, als ob er auch nach solcher Ankunft sich zuvorderst des Töplitzer Bades bedienen wolle.

Bis dato scheinet es, als ob des Königs Majestät Dero hiesiges Séjour continuiren dörften, daferne alles in der jetzigen Situation bleibet. Sollten aber nicht bald Briefe mit den gewünschten Nachrichten ankommen,281-3 so garantire ich nicht, dass man sich nicht impatientiren möchte . . .

Das Schreiben an des Königs Majestät von der anhalt-köthenschen Ritterschaft281-4 embarrassiret mich am meisten; die Leute scheinen mir nicht ganz unrecht und einiges Vorwortes nöthig zu haben, ich besorge aber, dass, wenn solches dem König vorlege, es in die Flamme gehe. Ew. Excellenz Befehl darüber und ob was oder nichts damit zu thun sei, werde allenfalls erwarten.

Eichel.

Auszug aus der Ausfertigung.



280-3 Am 23. März schreibt der König an den General von Schenckendorff, er werde „nächster Tagen den Major und Adjutanten von Anhalt dorthinschicken, der Euch Meine näheren Ordres bringen und alles sagen wird, wie Ich meine, dass der Feind aus Plauen wegzuschaffen sei“ .

280-4 Schreiben der Königin Ulrike, vergl. Nr. 12757.

280-5 So.

281-1 Vergl. S. 271.

281-2 Vergl. Nr. 12748.

281-3 Gemeint sind wohl Briefe aus London über die Vorschläge, welche der König durch Mitchell der englischen Regierung unterbreitet hatte. Vergl. S. 256. Anm. 1.

281-4 D. d. Kothen 18. März, mit der Bitte, wegen der Lieferungen „uns fernerhin mit königlichem Erbarmen und Verschonen anzusehen“ und es nicht ungnädig zu vermerken, „dass wir . . den Regress gegen unseren Landesherrn geziemend suchen“ .