13086. AN DEN GENERAL DER INFANTERIE HERZOG VON BRAUNSCHWEIG-BEVERN, GOUVERNEUR VON STETTIN.

Giesmannsdorf, 25. Juli 1761.

Ich danke Ew. Liebden, dass Dieselbe Mich sogleich von dem in Dero Schreiben vom 21. dieses enthaltenen Vorfall avertiren wollen.560-1

Es ist dieses der ordinäre Fehler von unsern Officiers, dass, wenn was starkes auf ihre Posten kommet, ohnerachtet die feindliche Forces so sehr superieur sein, als es jetzo die Schweden dem Obristen von Belling mit seinem geringen Corps seind, sie dennoch mit einer unzeitigen Fermeté, anstatt dass sie einer ganz superieuren Force mit Vorsicht ausweichen sollten, dennoch, obwohl hors de saison und ohne Succès, das Terrain souteniren wollen. Es müssten dieselbe vielmehr in solchen Fällen ihre Mesures so nehmen, dass sie einer grossen Uebermacht zwar auswichen, aber sich zugleich so arrangireten, dass sie den Feind auf seinen Flanquen und insonderheit von hinten nähmen, ihn dergestalt harceliren und ihm seine Magazins, Convois und dergleichen mehr enleviren, demselben auch sonsten alles schwer zu machen und kleine Coups von hinten auf ihn versuchen müssten. Welches alles Ew. Liebden dem Obristen von Belling von Meinetwegen citissime zu schreiben haben, um sich darnach zu dirigiren und seine Sachen mit Adresse zu führen.

Wenn sonsten der Prinz Eugen von Württemberg und Generallieutenant von Werner gegen die Russen [ihren] Coup dort glücklich ausführen sollten, davon Ich Ew. Liebden vorhin geschrieben,560-2 so wird alsdenn die Hülfe gegen die Schweden am nothwendigsten und pressantesten sein; wovon Dieselbe nurgedachten Prinzen zu avertiren haben.

Friderich.

Nach dem Concept.



560-1 Bevern hatte einen Bericht des Obersten von Belling, d. d. Malchin 19. Juli Abends 10 Uhr, eingesandt, welcher meldete, die Schweden seien in drei Colonnen über die Peene gegangen; er habe den ganzen Tag versucht, der einen Colonne „anzukommen“ , dies sei aber unmöglich gewesen, er habe nur Verluste erlitten.

560-2 Vergl. S. 545.