1928. AN DEN ETATSMINISTER GRAF PODEWILS IN BERLIN.

[Lager bei Chlum], 22. Juli 1745.

In Betreff der polnischen Verhältnisse fügt Eichel dem Schreiben des Königs die Mittheilung hinzu, „dass mit Anfang dieses Monats allhier ein polnischer Cavalier, jedoch ganz incognito und unter dem Namen eines, so wegen Lieferungen für Armee Contracte schliessen wollen, in dem vorigen Lager angekommen ist und bei Sr. Königl. Majestät um eine secrete und Privataudienz Ansuchung gethan, auch erhalten hat.... Nach des Herrn Generalmajor Polentz Dolmetschen<230> hat seine Commission darin bestanden, dass einige Familien aus Polen und insonderheit Litthauen einestheils aus Affection gegen das preussische Haus, hauptsächlich aber wegen der Oppression, so die polnisch und Litthauennation gegen ihre Freiheit und Verfassung von dem dresdenschen Ministerio leiden müssen, gesonnen wären, eine considerable Conföderation zu machen, wozu die Conjurati nichts weiter als nur allein Sr. Königl. Majestät Genehmhaltung dazu zu haben verlangten, und dass, wenn diese erfolgete, alsdann Conjurati sich zusammenthun und eine Deputation nach Petersburg schicken wollten, um der russischen Kaiserin die gewaltige Unterdrückung der Rechte und Freiheiten von Polen, so der sächsische Hof immer höher und höher triebe, vorstellig zu machen, und aus was Ursache man, solchem gefährlichen Uebel entgegen zu gehn, zu einer Conföderation zu schreiten sich resolviren müssen, in welchem allen des Königs Majestät nicht im geringsten genennet und committiret werden sollten; wiewohl der polnische Deputates sich nachher dahin expliciret hat, dass die Ursach seiner Schickung hauptsächlich wäre, um nur allein Se. Königl. Majestät zu sondiren, ob Dieselbe eine dergleichen Conföderation gerne sähen oder nicht, und dass man bei seiner Zurückkunft seine Mesures darnach nehmen wollte; nach Russland aber eine Deputation zu schicken und die Absichten der Missvergnügten und Conföderirten daselbst vorher zu annonciren, dazu dürften letztere sich schwer verstehen, aus Beisorge, dass solches vergebens und nichts anders zu effectuiren capable wäre, als nur dass das petersburgische Ministerium davon das sächsische avertirte, damit dasselbe in Zeiten gedachte Conföderation entweder im ersten Anfang erstickte oder doch andere Mesures dagegen nehmen könnte. Man hat gedachten polnischen Deputaten hier ganz höflich aufgenommen, doch ohne einigen Éclat, welcher um so viel eher zu vermeiden gewesen, als dieser Pole in den drei bis vier Tagen, so er sich hier aufgehalten hat, fast nicht aus dem Dorfe noch Stube, worinne er gewesen, gekommen ist.

Ausser diesem nun hat man sich hier mit gedachtem Polen nicht weiter eingelassen, als nur in generalen Terminis von der Freundschaft Sr. Königl. Majestät gegen die Republik alle Versicherung zu geben,230-1 und dass, wenn die Nation sich entschliessen müsste in eine grosse Conföderation, man hiesiges Ortes zwar solcher nicht entgegen sein, aber auch weiter nicht davon mehren noch daran immédiatement Theil nehmen würde, als nur in so weit, dass, wenn die Conföderati einige Deputirte, wie obgedacht, nach Petersburg schicken würden, der Herr von Mardefeld instruiret werden sollte, sich solcher Deputierten anzunehmen, und ihnen der Orten durch gute Officien assistiren soll“ . . .

Eichel.

Auszug aus der Ausfertigung.

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230-1 Vergl. Nr. 1896 S. 202.