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12. Kapitel

Feldzug des Jahres 1760.

Im Frühjahr übernahm der König den Oberbefehl über die Armee in Sachsen. Infolge des Unglücks, das seine Truppen im letzten Feldzuge gehabt hatten, mußte er zur Verstärkung seiner Kavallerie die beiden Dragonerregimenter von der Armee der Verbündeten abberufen1. Prinz Heinrich wurde gegen die Russen geschickt. Fouqué sollte die Pässe bei Landeshut bewachen und der Prinz von Württemberg die Schweden in Schach halten. Da die Truppen sich in sehr schlechtem Zustand befanden, durften sie nur mit großer Vorsicht verwandt werden. Ein Absenden von Detachements war nicht ratsam. Man mußte den Krieg auf einem möglichst beschränkten Gebiet führen. Die bei Maxen und unter Generalmajor Diericke verloren gegangenen Truppen2 waren während des Winters neu formiert worden, aber es waren keine altgedienten, gebrauchsfähigen Soldaten. Sie kamen im Ernstfall garnicht in Betracht. Denn was sollte man mit einem Haufen von Leuten anfangen, die zur Hälfte aus sächsischen Bauern, zur Hälfte aus feindlichen Deserteuren bestanden und von Offizieren geführt wurden, die man nur aus Not und aus Mangel an besseren angestellt hatte? Auch hatten die Infanterieregimenter kaum mehr zwölf Offiziere, statt der vorschriftsmäßigen Zahl von zweiundfünfzig. Aber trotz solcher Mißstände erlahmte die Tatkraft nicht; denn die Notwendigkeit gebot zu handeln. Statt sich über den schlechten Zustand der Truppen zu beklagen, dachte der König nur daran, den Feinden stärker als je Widerstand zu leisten.

Auf österreichischer Seite hatte Laudon den Oberbefehl über die gegen Schlesien bestimmte Armee erhalten, die sich auf 40 000 Mann belief. Die Russen sollten seine Operationen unterstützen und zu dem Zweck an die Oder vorrücken, wie die beiden Kaiserinnen es verabredet hatten. Feldmarschall Daun behielt das Kommando über


1 Vgl. Bd. III, S. 115.

2 Vgl. S. 25 und 26.