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Bald darauf hörte Wunsch eine andere Kanonade. Der Feind griff eine Art von Mahlwerk oder Redoute1 an, in der der preußische General hundert Mann zur Verteidigung zurückgelassen hatte. Die österreichischen Haubitzen schossen sie in Brand, und Hauptmann Capeller2, der sich durch seinen tapferen Widerstand hervortat, mußte sich vor Ankunft der Hilfe ergeben, sodaß Wunsch sich mit seinem ganzen Korps in die Festung Glatz warf. Wurmser und die Kaiserlichen, die keine Ahnung von jener Redoute besaßen, hatten stracks auf Glatz marschieren und die Festung überrumpeln wollen. Ihre Absicht war indes ganz unausführbar. Die Werke von Glatz sind derart, daß sie allen Angriffen Trotz bieten, wofern der Feind nicht zur förmlichen Belagerung schreitet. Immerhin gelang es Wurmser, ein paar Quartiere im Glatzischen aufzuheben. Er hoffte sogar, der König würde, um ihn aus preußischem Gebiet zu vertreiben, Truppen aus Oberschlesien herbeiziehen und dadurch die Postenkette von Troppau und Iägerndorf und die Armee des Erbprinzen entblößen. Dadurch hätte Elrichshausen freie Hand bekommen, um mit Erfolg etwas gegen die Preußen zu unternehmen und die Oppa-Ufer zu säubern, die bei den Kaiserlichen solche Besorgnis erregten. Aber die Sache fiel anders aus, als die feindlichen Generale sich dachten und wünschten.

Der König nahm ein paar Bataillone aus der Reserve, die in Breslau überwinterten, sowie die Gardes du Corps, die Gensdarmen und das Regiment Anhalt und marschierte mit ihnen nach Reichenbach (4. Februar). Ferner schickte Ramin 4 Bataillone an General Anhalt, der schon 4 befehligte. Das ganze Korps besetzte Friedland und die dort angelegten Befestigungen. Zur Vertreibung des Feindes aus Waldenburg marschierte General Lestwitz3 auf Scharfeneck und General Anhalt auf Braunau. Die Kaiserlichen ergriffen überall die Flucht; Anhalt konnte kaum 50 Panduren abfangen. Während beide Korps vorrückten, besetzte der König Silberberg (16. Februar), um von dort aus Hilfe bringen zu können, wo es nötig werden sollte. Diese Bewegung machte solchen Eindruck auf die Feinde, daß sie Habelschwert räumten und sich nach Böhmen retteten.

Für alles war gesorgt worden. Hätte man die Kaiserlichen in Böhmen an der sächsischen Grenze ruhig gelassen, so wären alle ihre Truppen nach Schlesien zurückgeflutet und Wurmser hätte beträchtliche Verstärkung erhalten: Um daher die Aufmerksamkeit des Feindes zu teilen und ihn wehr an seine Sicherheit als an die Beunruhigung Schlesiens denken zu lassen, raffte Möllendorf einige Truppen zusammen, verließ Sachsen, marschierte nach Brix, schlug mit seiner Kavallerie die ihm entgegengestellte Streifschar, eroberte 3 Kanonen, machte 350 Gefangene und nahm das Magazin in dem Städtchen Brix weg (5. Februar).

Während der Nacht zum 7. geschah es, daß ein Unteroffizier vom Regiment Wunsch desertierte und, um sich an seinem Major zu rächen, die österreichischen Husaren


1 Das Blockhaus von 0ber-Schwebeldorf, eine Meile südwestlich von Glatz.

2 Michael Wilhelm Capeller.

3 Generalmajor Johann Slgismund von Lestwltz.