<195>Ein Ungarkerl, der durchgebrannt,
Belehrt ihn, was das Ganze bezweckt:
„Paßt auf, heut' erlebt ihr noch allerhand!
„Der Lothringer Prinz hätt' gar zu gern
„Euch einen gewissen französischen Herrn —
„Ich weiß nicht, Gesandter ist er wohl —
„Der in eurem Lager hier Hausen soll,
„Fein weggeschnappt und ausgespannt,
„Hat drum ein Streifkorps ausgesandt.“

Nun weiß der König genau Bescheid
Und hält zum Empfang eine Streitmacht bereit:
Dragoner und leichte Reiterei.
Doch eine reisige Schar ist dabei,
Der Preis und Ehre vor allen gebührt:
Ein Ritter ohne Furcht und Tadel sie führt,
Chasot,1 der Held aus der Normandei;
Haudegen alle und kampfbewährt.
Hei, wie das schwärmend, die Zügel verhängt,
Aufgelöst über das Blachfeld sprengt;
Ruft der Führer, sind sie zur Stelle,
Schließen die Reihen sich blitzesschnelle.
Weh nun dem Feinde! Das fährt.
So er sich widersetzt,
Auf ihn hernieder jetzt,
Wie Wetterschlag — in jeder Klinge droht
Der sichre Tod.

Nun rücken sie von hüben und von drüben
Sich langsam näher. Jetzt heißt es aufgepaßt,
Wer am geschicktesten den andern faßt
Mit List und Witz, durchtrieben und gerieben.
Der Preuße lacht: „Gemach, ich glaube gar,
„Das denkt, es führt mich an der Nase herum!“ —
„Ich bin erkannt! Er ist gar nicht so dumm!“
Flucht der Magyar.

Am Hange zweier Hügel aufgestellt,
Beherrscht das Preußenlager weit das Feld.


1 Franz Isaak von Chasot, Major im Dragonerregiment Bayreuth (vgl. S. 160).