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1. AN DEN GEHEIMEN KÄMMERIER FREDERSDORF.

Soor, den 2. October 1745.

Denke Dir wie wir uns geschlagen haben, achtzehn gegen fünfzig. Meine ganze Equipage zum Teufel,a Annemarie ist todt gehauen, der Champion muss auch todt sein; Eichel, Müller, der Dechiffreur und Lesserb sind noch nicht ausgefunden. Wann das Unglück einmal will, dem fallet es allemal auf den Hals. Der Koppen muss mir zehn tausend Thaler schicken. Wärest Du hier gewesen, ich hätte nichts verloren; aber Du kennst den dummen Rietzen, der sich gar nicht zu helfen weiss, und ich hatte so viele gefährliche Umstände auf dem Halse, dass ich ohnmöglich daran denken konnte. Nun ist die Campagne gewiss vorbei und werde ich sie endigen können, wann es mir gefällt. Sei Du nur ruhig. Rothenburg wäre bald gestorben. Knobelsdorff ist den 1. gekommen. Der gute brave Wedell ist todt; Albert auch,c ist nicht viel verloren; Blanckenburg und Bredow auch.d

Helfe der Himmel weiter. In solcher grossen Gefahr und Noth bin ich mein Tage nicht gewesen, als den 30., und bin doch herausgekommen. Gott bewahre Dich. Mache doch meine Sachen alle in Berlin, wie ich es haben will, und werde gesund.

Friderich.


a Siehe Band XVII., S. 322 und 323. Der König hat in dem Briefe nicht an Biche gedacht, von welcher er in einem späteren, ungedruckten Briefe an seinen Bruder Wilhelm sagt : « Nadasdy m'apris, le 30 septembre 1745, ma levrette anglaise qui s'appelle Biche, que mon laquais Claus conduisait. »

b Hofrath Johann George Lesser, Leib- und Feld-Medicus.

c Ein Bruder der Königin. Siehe Band XXVI., S. 27.

d Siehe Band III., S. 155.