9402. AN DEN GENERALLIEUTENANT PRINZ FERDINAND VON BRAUNSCHWEIG.

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Prinz Ferdinand meldet, Wanzleben 6. October, nach Empfang des königlichen Cabinetserlasses vom 2. October408-1 habe er „vor nöthig gefunden, dem Maréchal [Richelieu] mit einem Schritt entgegen zu gehen. Ich habe dahero dem Kriegesrath Horst in seine Schreibtafel dictiret und ihm committiret, directe dem Herrn Maréchal zu eröffnen, dass, da der Commissarius de La Salle einen Antrag zu einem Waffenstillstand bis auf den

Buttstädt, 8. October 1757.

Durchlauchtiger Fürst, freundlich geliebter Vetter. Ew. Liebden per Estafette an Mich erlassenes Schreiben vom 6. dieses habe Ich sogleich heute Abend allhier erhalten, und gebe Ich Deroselben darauf in Antwort, wie Ich die von Ew. Liebden nach solchem ge-

1.Mai künftigen Jahres gethan hätte, ich bereit wäre, mit ihm darüber eine Convention zu schliessen, doch unter der expressen Präliminär-Condition, dass es dem Herrn Maréchal gefällig sein möge zu declariren, dass er alle königliche, diesseits der Weser belegene Provinzen mit seinen Truppen räumen und, ausser den schon wirklich eingetriebenen Lieferungen und Contributionen, aus solchen nichts weiter exigiren wolle. Ich ertheile dem Kriegesrath von Horst keine schriftliche Vollmacht, dem Maréchal diese Erklärung zu thun, inzwischen gebe ich demselben einen offenen Passeport mit, worin ich anführe, dass er mit einer Commission von mir an den Herrn Maréchal nach Halberstadt zurückgehe.“

thanen Avances sehr approbire, da es nicht anders sein können, um, wie Ich noch hoffe, die Provinz Halberstadt dadurch zu retten. Ich schicke Deroselben dannenhero auch einen auf Meinen Befehl von dem Feldmarschall von Reith an den Maréchal Duc de Richelieu geschriebenen Brief409-1 hierbei, so von dem Einhalte ist, wie es der La Salle dem Kriegsrath von der Horst wegen der zu Magdeburg befindlichen Kriegesgefangenen an die Hand gegeben, welches Schreiben dann Ew. Liebden mit einem Trompeter auf Halberstadt schicken können, damit es nach seiner Direction baldigst an Ort und Stelle gelangen möge.

Was M. de La Salle angehet, so wird es Mir angenehm sein, wann Ew. Liebden denselben bestens flattiren und in seinen bezeigeten guten Sentiments erhalten, auch ihm insinuiren lassen werden, wie derselbe dadurch vielleicht den Grund zu noch grösseren und importanteren Sachen legen könnte, wenn er durch seine Bemühung, die Mir allezeit zu einer besonderen Verbindlichkeit gegen ihn gereichen würde, oberwähnte Sache wegen Halberstadt gut und nach Meinem Wunsch einleiten und dadurch vielleicht den Grund zu mehrern bauen werde.

Wenn auch Ew. Liebden damit und dass Meine Provinzien diesseits der Weser von ferneren Vexationen befreiet bleiben, es zu Stande bringen können, so werde Ich Dieselbe gewiss nicht desavouiren, sondern Ich autorisire Dieselbe vielmehr hierdurch, dass Ew. Liebden deshalb immer schliessen können. Wie Ich dann auch und wann es damit zu Stande sein wird, Dieselbe sodann nicht dorten im Magdeburgischen lassen, sondern wiederum an Mich ziehen werde.

Ich glaube auch schliesslichen, dass es zur Erreichung unserer Absichten etwas mit beitragen würde, wenn Ew. Liebden auf eine gewisse Art nach dem Halberstädtschen und sonsten der Orten hin ebruitiren machen könnten, dass nämlich, nachdem die russische Armee, so in Preussen eingefallen gewesen, sich ganz schleunig zurückgezogen und ganz Preussen wieder evacuiret habe, der Generalfeldmarschall von Lehwaldt mit seinem Corps d'armée im völligen Marsche nach denen hiesigen Landen begriffen sei409-2 und, wo nicht die Weichsel schon passiret wäre, doch solche dieser Tagen passiren würde. Wobei Ich jedoch gerne

 

sehen werde, dass dieser Bruit so auskäme, dass es eigentlich nicht von Mir, noch von Ew. Liebden immediate gekommen. Ich bin mit vieler Estime Ew. Liebden freundwilliger Vetter

Friderich.410-1

Nach der Ausfertigung im Kriegsarchiv des Königl. Grossen Generalstabs zu Berlin.



408-1 Vergl. Nr. 9385.

409-1 Vergl. Nr. 9401. Das Schreiben Keith's datirt Butttstädt 8. October 1757.

409-2 Vergl. S. 384. 385. 398. 405.

410-1 Ein P. S. betrifft die Besetzung erledigter Stellen im Regiment Anhalt und einige unwesentliche Fragen in den Cartellverhandlungen über die Gefangenen.