<82> König zum Beistand ein Korps, das er bis zum Ufer der Werra und bis Vacha verwenden sollte. Nach gemeinsamer Verabredung schritt er zur Ausführung des Plans.

Wie vereinbart, rückten 7 000 Preußen auf Langensalza vor, wo Stainville mit einem Korps Sachsen und Franzosen sich befand. Das Flüßchen Salza trennte die französische Kavallerie von der sächsischen Infanterie. Stainville stand mit seiner Abteilung auf dem rechten Ufer und Solms1 auf dem linken. Zwischen beiden lag ein Sumpf. Gleich nach ihrer Ankunft beschossen die Preußen die französische Kavallerie mit Kanonen und trieben sie rasch in die Flucht. Als sich die Sachsen von Stainville im Stich gelassen sahen, traten sie gleichfalls den Rückzug an. Lölhöffel, Anhalt2 und Prittwitz3 benutzten den Augenblick des feindlichen Aufbruches, warfen sich mit der preußischen Kavallerie auf die Sachsen, drangen in sie ein, nahmen 60 Offiziere und 300 Mann gefangen und erbeuteten außerdem fünf Kanonen4. Ihnen allein fiel die Ehre dieser glänzenden Tat zu. Nun langte auch Spörcken mit seinen Hannoveranern an und vereinigte sich mit den preußischen Truppen zur Verfolgung des Feindes. Luckner griff die Sachsen von neuem an, erst in Eisenach, dann in Vacha, und zerstreute ihre ganze Infanterie. Weiter rückten Spörcken und Luckner auf Hersfeld vor. Zugleich bemächtigte sich der Erbprinz Fritzlars (15. Februar) und nahm das dort von den Franzosen im Stich gelassene Magazin fort. Prinz Ferdinand, der mit der Hauptarmee zwischen den beiden erwähnten Korps stand, ging nun über die Fulda und marschierte stracks auf Kassel zu. Broglie wurde durch den Anmarsch völlig überrascht. Er wartete ihn nicht erst ab, sondern zog sich über Fulda auf Hanau und Frankfurt zurück.

Die Jahreszeit war zu Belagerungen zwar wenig einladend. Dennoch war es wichtig, Kassel den Franzosen wieder zu entreißen, und Prinz Ferdinand beschloß, wenigstens den Versuch zu machen. Die Ausführung der Belagerung übertrug er dem Grafen Lippe5. Die Festung wurde von 6 000 Franzosen verteidigt, und Graf Lippe schloß sie mit 15 000 Hannoveranern ein. Um die günstige Gelegenheit und das Fernsein der Franzosen zu benutzen, ließ Prinz Ferdinand drei Festungen zugleich belagern, nämlich Kassel, Ziegenhain und Marburg. Allein bei der Unerfahrenheit der Generale und Ingenieure, dem Ausbleiben der Munition auf den schlechten, grundlosen Wegen, auf denen die Wagen stecken blieben, scheiterten alle drei Unternehmungen.

Während dieser Belagerungen war der Erbprinz vorgerückt, um die Bewegungen der Franzosen gegen Frankfurt und den Main im Auge zu behalten. Der Prinz, sein Oheim, war mit der Hauptarmee etwas zu weit zurückgeblieben, um ihm schnell


1 Graf Friedrich Christoph Solms-Wildenfels, kursächsischer Generalleutnant.

2 Oberst Friedrich Wilhelm von Lölhöffel; Major Wilhelm Heinrich von Anhalt, Flügeladjutant des Königs.

3 Vgl. S. 17.

4 Gefecht bei Langensalza, 15. Februar 1761.

5 Wilhelm Graf zu Lippe-Schaumburg-Bückeburg.