6838. AN DEN ETATSMINISTER GRAF FINCKENSTEIN IN BERLIN.

Potsdam, 30. Juni 1755.

Mein lieber Geheimer Etatsminister Graf von Finckenstein. Ich habe nicht Anstand nehmen wollen, Euch hierdurch bekannt zu machen, wie dass, nachdem Ich in dem letzteren Campement bei Stargard dem Obristen von Normann ein Regiment conferiret und zugleich zum Generalmajor avanciret habe, des Obristen Prinz Eugen von Württemberg Durchlaucht daher Gelegenheit genommen, solches als ein ihm geschehenes Passe-droit anzunehmen und daher, wie Euch die Abschrift sub A mit mehreren zeigen wird, die Dimission aus Meinen Diensten zu fordern.187-2 Nachdem Ich nun demselben darauf nach der abschriftlichen Anlage sub B geantwortet habe187-3 und ihm alle gute Ursachen angeführet, worum er solches als kein ihm geschehenes Passe-droit ansehen könnte, so hat solches dennoch nicht den von Mir verhofften Effect zu seiner Beruhigung gehabt, indem er nun unter dem 22. dieses dasjenige an Mich geantwortet hat, was Euch die abschriftliche Anlage sub C zeigen wird.187-4

Die Ursache, warum Ich niemalen gerne sehen werde, dass gedachter Prinz die hiesige Dienste und dessen Aufenthalt in hiesigem Lande quittire, seind leicht zu bekannt, als dass Ich nöthig hätte, deshalb etwas allhier anzuführen.187-5 Ich bin dannenhero auf die Gedanken gekommen, wie es gut sein werde, wann Ihr deshalb mit dem württembergschen Residenten von Hochstetter selbst sprechen und ihn dahin zu disponiren suchen werdet, dass er selbst eine Reise zu gedachtem Prinzen vornehme und ihn durch alle vernünftige Remonstrationes auf bessere und reifere Gedanken darunter einzuleiten suche, auch ihm deshalb vorstellig mache, dass Ich doch gleichwohl alte, Mir wohlgediente Obristen, die schon zur Zeit, als erwähnter Prinz geboren worden, mit vieler Distinction gedienet haben, nicht hintansetzen, noch vorbeigehen könnte, wiewohl auch solches seine Grenzen haben würde, und dass solches mehrerwähntem Prinzen um so weniger präjudicire, als das Exempel meines Bruders, des Prinzen Ferdinand, sowie auch<188> des Prinzen Franz von Braunschweig vorhanden sei, welche ohnerachtet ihrer erhaltenen Patente als Obristen dennoch das Avancement alter und sehr meritirter Obristen sich gerne gefallen lassen und noch niemalen ein Sujet von Klagen oder Beschwerden daher genommen hätten.

Da Mir die guten Sentiments gedachtes Residenten von Hochstetter und dessen zehrte und patriotische Gesinnung aus allen Gelegenheiten bekannt sein, so zweifele Ich nicht, dass derselbe, wann er erwähnte Reise zu dem Prinzen nach Meinem Verlangen übernehmen wird, letzteren von seiner vielleicht in der ersten Hitze genommenen Resolution abbringen und in moderate und gute Sentiments einleiten werde; welches Ihr also bestens zu besorgen habet. Ich bin Euer wohlaffectionirter König

Friderich.

Nach der Ausfertigung.



187-2 Vergl. S. 174.

187-3 Vergl. Nr. 6821.

187-4 Erneutes Entlassungsgesuch des Prinzen, d. d. Treptow 22. Juni.

187-5 Vergl. S. 179. 180.