8410. AN DEN GENERALLIEUTENANT VON WINTERFELDT IN LANDSHUT.

Dresden, 8. December 1756.

Mein lieber Generallieutenant von Winterfeldt. Es ist Mir aus Eurem heute erhaltenen Rapport vom 4. dieses recht lieb zu ersehen gewesen, dass auf Euren Postirungen alles ruhig ist, wie dann auch hiesiger Orten noch alles stille und bis dato nichts veränderliches vorgefallen ist. Ich bin dabei von Eurem Sentiment, dass der Feind nichts wird tentiren wollen, bis er alle seine Forces zusammen hat. Diesem allen ohnerachtet hat der Generallieutenant Lestwitz mehr wie alle andere nöthig auf seiner Hut zu sein, da Zittau und das Stück von der Lausnitz, wo er stehet, just zwischen Böhmisch-Friedland und Schluckenau lieget und also, wenn er ein ganzes Regiment Husaren da unter seiner Ordre hat, solches nicht überflüssig ist.

Was vor Nachrichten aus Böhmen dem Obristen von Arnstedt zugekommen, solches habt Ihr aus der anliegenden Abschrift mit mehrern zu ersehen.114-2

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Den Marsch der pommerschen Regimenter115-1 beschleunige Ich so viel wie möglich, glaube aber nicht, dass sie unter 14 Tage werden ankommen können.

Was übrigens den von John anbetrifft, da habe Ich an den Etatsminister von Schlabrendorff die positive Ordre ergehen lassen, dass derselbe die vacante Stadtvogtsbedienung zu Landshut ohne weitere Umstände noch Einwenden haben soll.115-2 Ich bin Euer wohlaffectionirter König

Von die Russen kann man noch nichts positives sagen.

Friderich.

Nach der Ausfertigung. Der Zusatz eigenhändig.



114-2 Bericht Arnstedt's, Dresden 7. December. In diesem Bericht wird unter anderem gemeldet: „Es hat das Ansehen, als wenn der Feind gegen Zittau eine Expedition vorhabe, indem in der Gegend an die 22,000 Mann stehen und in dem Winkel nach der Grenze zu, als Schluckenau. Rumburg, Zeidler, sollen 4000 Panduren stehen, haben Kanonen bei sich. Man spricht in Böhmen öffentlich, allernächst von einer Invasion in Sachsen, und noch mit dem Zusatz, der Graf Browne habe der Königin von Polen sagen lassen, er würde auf Weihnachten die Gnade haben, ihr die Hände zu küssen.“

115-1 Vergl. S. 104. 109.

115-2 Schlabrendorff hatte Bedenken getragen, die Stadtvogtei in Landshut dem genannten von John zu übertragen, weil derselbe katholischer Confession war.