10220. AN DEN GENERALLIEUTENANT GRAF DOHNA.

Ziebingen, 19. August 1758.

Euren Bericht vom 18. habe Ich wohl erhalten, und dienet Euch zur Nachricht, dass Ich morgen in Frankfurt sein werde.

Indessen müsset Ihr auf alle die Oerter raffiniren, wo wir über die Oder an den Feind kommen können, und wäre Meine Idee diese, dass man bei dem Hornwerk178-1 eine Brücke über die Oder schlüge, das Hornwerk, den Wall und Contre-Escarpe stark mit Canons besetzte. Pontonbrücken könnte man alsdann zwei schlagen, bei dem Hornwerk, und sie sodann herumbringen und feste machen. Damit auch solches um so leichter angehen möge, so müsste man falsche Miene machen, als wäre man gesonnen, Brücken bei Sonnenburg oder Freienwalde übet die Oder zu schlagen. Diese Passage über die Oder wird nothwendig gut von Statten gehen, woferne der Feind den Galgenberg nicht besetzet hat. Auf den Fall aber dieser besetzet sein sollte, so müsste man gar einmal weiter nicht daran denken, und würdet Ihr auf etwas anderes raffiniren müssen. Herüber müssen wir, es mag kosten, was es wolle; denn Ich käme sonst in die grösste Verlegenheit und Bredouille.

Uebrigens approbire, dass der Capitän von Schulenburg sogleich nach Berlin abreiset, um sich daselbst der ihm aufgetragenen Commission178-2 mit so mehr Nachdruck zu unterziehen.

Friderich.

Nach der Ausfertigung im Kriegsarchiv des Königl. Grossen Generalstabs zu Berlin.



178-1 Aussenwerk der Festung Küstrin.

178-2 Schulenburg sollte in Berlin „die Absendung aller vorräthigen Kähne und des Holzes, so zum Brückenbau nöthig, durch den Finow-Canal pressiren“ .