12593. GEHEIME INSTRUCTION FÜR DEN HOFRATH BADENHAUPT.

Leipzig, 16. December 1760.

Von Sr. Königl. Majestät in Preussen unserm allergnädigsten Herrn wird Dero p. Badenhaupt wegen der von ihm vorhabenden bewussten Reise153-1 und dabei zugleich auszurichtender Commission dahin instruiret, wie Höchstdieselbe Dero allergnädigstes Vertrauen in ihn setzen, er werde sich in allen Stücken dabei als ein recht getreuer und vor Se. Königl. Majestät sehr wohl intentionirter Unterthan betragen, auch alles dasjenige mit vieler Vernunft, Behutsamkeit und Vorsicht, auch mit der allergrössesten Verschwiegenheit ausrichten, was Höchstdieselbe ihm bereits mündlich durch den Kaufmann Gotzkowski auftragen und eröffnen lassen und was diese allergnädigste Instruction in sich begreifet.

Sobald er die zur Sicherheit seiner Reise erforderliche Pässe erhalten haben wird, muss er ohngesäumt seine Reise unter dem Vorwand von seinen particulären Angelegenheiten und um seinen Bruder einmal zu sehen, und dergleichen mehr, in Gottes Namen antreten und, so viel es die Umstände leiden wollen, baldigst fortsetzen, ohne sich jedoch einiges Empressement, so auf ihn Soupçon geben könnte, merken zu lassen.

Wenn er an Ort und Stelle kommet, wird er sich bemühen müssen, seinen dort habenden Bruder mit guter Art, auch durch Versprechung von vieler allergnädigster und reeller Erkenntlichkeit zuvorderst dahin zu gewinnen, dass dieser nach seiner dort habenden Kenntniss auf die convenableste Mittel und Wege denke und sich selbst employire, dass der dortige Favorit Iwan153-2 dahin gewonnen werde, es bei seiner Souveränin dahin einzuleiten, damit dieselbe, nachdem obgedachter Badenhaupt nämlich die Umstände dort finden wird, entweder gar einen Particulärfrieden mit Sr. Königl. Majestät, ohne Conditiones von Cessionen, schliesse, oder aber es doch gedachter Iwan dahin bringe, dass die russische Armee künftiges Jahr in einer Inaction bleibe und gegen des Königs Majestät nicht feindlich agire. Auf beide diese nurgedachte Fälle kann gedachter Badenhaupt ermeldeten Favoriten Iwan einer Reconnaissance von Einer Million Rthlr. von Sr. Königl. Majestät ver<154>sichern und versprechen, wozu Höchstdieselbe mehrerwähnten Badenhaupt exprès hierdurch autorisiren und er versichert sein soll, dass Se. Königl. Majestät ihm darunter kein Démenti geben werden; vielmehr kann er fest assuriren, dass, wann mehrgedachter Iwan die Sachen, es sei auf die eine oder die andere Art, nach Höchstderoselben Wunsch und Verlangen gebracht haben wird, gedachte Million Rthlr. sogleich bereit sein soll, um an dem Orte, wo und wie derselbe es verlangen wird, baar ausgezahlet zu werden.

Es muss der Badenhaupt währender seiner dortigen Anwesenheit weder an Se. Königl. Majestät, noch an sonsten jemand nach Berlin schreiben. Wenn er aber an Dieselbe etwas besonderes zu melden hat, so kann er sich deshalb an den dortigen königlich grossbritannischen Ministre von Keith melden und demselben von allem ganz vertrauete Ouverture geben, welcher denn es an Se. Königl. Majestät schriftlich gelangen zu lassen nicht ermangeln wird, nachdem Sie gedachten Ministre, jedoch unter dem allerhöchsten Secret und genauester Einbindung unverbrüchlicher Verschwiegenheit, davon schon præveniren lassen. So muss sich auch der Badenhaupt bei dieser Commission des guten Rathes und der Assistance dieses Ministre in vorkommenden Fällen bedienen. Wie aber dortigen Ortes auf die Fremde und auf alles, so sie thun, auch wo sie ein- oder ausgehen, heimlich ein scharfes Auge gehalten wird, so muss der Badenhaupt auch, nachdem er sich einmal bei vorgedachtem Ministre gemeldet haben wird, alsdenn seine Besuche bei solchem, so viel menschmöglich ist, menagiren und nicht anders, als wenn er ihm etwas besondres wichtiges zu eröffnen hat, mit aller guten Vorsicht zu ihm gehen.

Zu denen Kosten dieser seiner Reise werden des Königs Majestät ihm durch den Kaufmann Gotzkowski 2000 Rthlr. auszahlen lassen, und kann er übrigens versichert sein, dass, wenn er sich von solcher seiner Commission wohl acquittiren und solche nach Höchstderoselben Intention und Wunsch ausgeführet haben wird, Se. Königl. Majestät alsdenn ihm nicht nur Dero allergnädigste Erkenntlichkeit auf eine ganz reelle Weise bezeigen, sondern ihn auch huldreichest auf seine Lebenszeit recht wohl versorgen werden.

Friderich.

Nach der Ausfertigung.



153-1 Nach Petersburg. Vergl. Nr. 12581.

153-2 Schuwalow.