2287. AN DEN ETATSMINISTER GRAF PODEWILS IN BERLIN.

Potsdam, 21. Juli 1746.

„Der Herr Graf Woronzow ist gestern Nachmittag mit seiner Frau Gemahlin hier angekommen; des Königs Majestät haben beide mit aller Distinction aufgenommen und gracieusiren solche allhier auf das äusserste, Die hiesigen Officiersdames haben der Frau Gräfin gestern eine Espèce von Cour gemachet, und heute speisen sowohl der Herr Graf als die Frau Gräfin bei Sr. Königl. Majestät in Gesellschaft von Dames.

Was meine Wenigkeit dabei ohnendlich erfreuet, ist, dass Se. Königl. Majestät, nachdem Sie gestern gedachten Herrn Grafen eine ziemliche Zeit alleine und ganz vertraut gesprochen, Höchstdieselbe über verschiedene Alarmes, so Sie bekannter Maassen bisher gehabt, noch mehr calmiret worden und von dem Grafen Woronzow sehr zufrieden seind; wie dann des Königs Majestät mir die Gnade gethan zu sagen, dass Sie denselben von sehr guten Sentiments und dabei gegen den Kanzler Bestushew sehr dépitirt gefunden, wobei des Königs Majestät mir zu verstehen gaben, dass Sie vor dieses Mal eine weit bessere Opinion von gedachtem Grafen gefasset, als Sie vorhin, und nachdem Sie denselben das erstere Mal zu Berlin gesprochen,142-2 nicht haben können. Sie fänden ihn jetzo vor den Mann, dem es an Qualitäten nicht fehlete, den so übel und verrätherisch gesinnten Kanzler zu culbutiren, und der<143> auch vielleicht allen guten Willen dazu hätte, um sich an jenes Stelle souverain zu machen. Es hat derselbe des Königs Majestät über verschiedene Umstände éclairiret und unter andern Höchstderoselben versichert, dass die erneuerte Alliance zwischen Russland und den Oesterreichern pure defensiv wäre und mehr in Verbiages als in Realitäten bestehe, kurz, nicht viel besser als nichts wäre. Ueber alle die fausse Insinuationen, welche seiner Kaiserin gegen des Königs Majestät bisher geschehen wären, habe derselbe sehr dépitirt geschienen und versprochen, nach seiner Zurückkunft in Russland die Kaiserin völlig davon zu desabusiren und das vertraute Vernehmen zwischen beiden Höfen zu herstellen. Kurz, des Königs Majestät seind bis dato von diesem Mann sehr zufrieden und stehen in den Gedanken, dass wenn nicht Umstände dazwischen kommen, welche man jetzo ohnmöglich voraussehen kann, dass er den p. Bestushew wohl übern Haufen schmeissen dörfte …

Was ich aber auf expressen allergnädigsten Befehl Ew. Excellenz melden soll, ist zuforderst dieses, dass weilen des Königs Majestät den Grafen Woronzow von einem extrem delicaten Point d'Honneur kenneten, Ew. Excellenz wegen des ihm zugedachten Degen zum Präsent ja behutsam gehen und den Grafen vorher durch den Herrn Geheimen Rath Vockerodt adroitement sondiren lassen möchten, ob derselbe solches Präsent lieber öffentlich oder en Cachette annehmen wolle, um zu verhüten, dass darunter nicht etwas geschähe, so dem Grafen repugniren möchte. Ferner, dass Ew. Excellenz in einer Conversation mit demselben Gelegenheit nehmen möchten, etwas en Faveur des Obristen von Manstein, als einer Person, vor welche Se. Königl. Majestät Sich interessireten, zu erwähnen und so zu sagen fliegen zu lassen“ …

Eichel.

Auszug aus der Ausfertigung.



142-2 Vergl. Bd. IV, 319, Anm. 2.