<311> Martin. Gnädiger Herr, Ihr Sohn — Der Kummer bringt mich um, wenn ich bloß dran denke —

Bardus. An was denn?

Martin. Gnädiger Herr, Ihr Sohn — ach, so ein guter Herr, so ein lieber Herr —

ach!

Bardus. Wird's endlich?!

Martin. Vergönnen Sie meinem Schmerz einen Augenblick Zeit — Uff! Ich kann nicht mehr. (Er weint.)

Bardus. Mach ein Ende, oder zum Teufel —

Martin. Die Polizei war so unhöflich, ihn zu arretieren, gnädiger Herr.

Bardus. Was soll das heißen?

Martin. Daß er im Gefängnis sitzt, gnädiger Herr.

Argan. Wer? Firlefanz ist im Gefängnis?

Martin. Ach! Leider ja, gnädiger Herr.

Bardus. Aber so sprich doch! Was hat er getan? Wann, wie, warum wurde er arretiert?

Martin. Sie wünschen eine Beschreibung davon? So wappnen Sie sich mit Geduld und hören Sie zu! (Er hustet, spuckt und schnaubt.) Die Sonne hatte kaum ihren Lauf vollendet und sich an Phöbus' Busen gebettet, da sprach Firlefanz zu mir: Wohlan, Genosse meines Ruhmes und meiner Studien, Zeit ist's, durch einen glänzenden Streich Rache zu nehmen für das unmenschliche Benehmen der Madame La Röche —

Frau Argan. Madame La Roche — wer ist das? Kenne ich nicht.

Martin. Nur Geduld, gnädige Frau, Sie werden gleich Bescheid wissen. (Mit Emphase:) Ohne großes Gefolge brechen wir von hier auf, als einziges Gewaffen eine Schleuder mit uns führend. Endlich langen wir in der Sackgasse der Hexe an. Firlefanz erhebt seine Stimme und richtet in seiner edlen Art die Frage an sie: Madame, wollen Sie mir jetzt den Wechsel, zahlbar dem Überbringer, zurückgeben?

Bardus. Was für einen Wechsel, zahlbar dem Überbringer?

Martin. Einen auf fünfzig Dukaten', den mein Herr ihr ausgestellt hatte.

Bardus. Wann?

Martin. Während der beiden Tage, als wir bei ihr logierten.

Argan. Was! Dieser Mustersohn?

Bardus (zu Mattin). Er war schon zwei Tage hier! — Weiter!