482. AN DEN ETATSMINISTER VON PODEWILS IN BRESLAU.

Mein lieber Geheimer Etatsminister von Podewils. Ich erhalte sogleich Euer Schreiben vom 30. dieses, und nachdem Ich den Einhalt dessen und derer angefügten Beilagen320-2 mit mehrem ersehen, so dienet Euch darauf zur Antwort, dass Euch Meine jetzige Umstände ambesten bekannt, und Ihr aus solchen gar leicht beurtheilen werdet, dass sonder Meine Honneur und Gloire zum höchsten zu blessiren, es Mir jetzo ohnmöglich ist, auf einmal vom weissen zum schwarzen zu changiren und Mich dabei in die äusserste Gefahr zu setzen, Mir und Meinen Landen die ganze Last des Krieges auf dem Halse zu laden, mithin dem Hause Oesterreich den Dorn auszuziehen, um Mir solchen einzustecken, nachdem es Mich vorhin und auch noch so hautain und dédaigneux refusiret hat. Was Ihr in Eurem Schreiben anführet dem Robinson geantwortet zu haben, ist so solide, dass ich solchem nichts weiter zuzufügen weiss; überdies hat der Robinson durch sein wunderbares Betragen und durch seinen vorgewiesenen Strich in seiner Karte so übel debutiret, dass, wann auch alles obige nicht wäre, dieses allein Mich rebutiren und ihn Mir odieux machen müsste. Das beigefügte Projet eines Tractates ist überdem mit so vielen Clausuln und Restrictionen angefüllet, dass solches nicht anders als eine Mutter von einer langwierigen und difficilen Negotiation und eines onereusen Friedens sein würde, so dass, wann Ich auch alles thun könnte, was man dagegen von Mir verlangete, dennoch das Haus Oesterreich nebst Mir abimiret sein würde, bevor ein Concert zu Stande käme; zu geschweigen ob die von dem Robinson gezeigete schöne Perspective Mich nicht zwischen zwei Stühleniedersetzte und Mich in die Situation brächte, dass Ich Meine jetzige Freunde und Alliirte verlöre, Meine Feinde aber auf dem Halse behielte.

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Bei solchen Umständen, und da durch des Robinson Negociation, wenn sie auch nach seinem Wunsch und Verlangen völlig einschlüge, dennoch nichts anderes erfolgen könnte, als dass Ich einen durch göttlichen Beistand halb geendigten Krieg los würde, und Mich dagegen in einen weit grösseren und onereuseren verwickelte, so sollet Ihr den Robinson nur auf eine zwar obligeante, aber doch nachdrückliche Art abweisen und ihm die Ohnmöglichkeit auf solche Propositiones zu entrirenbedeuten, wobei Ihr dasjenige, was Ihr wegen der fehlenden Vollmacht meldet, mit gebrauchen, dem Robinson aber bedeuten könnet, dass Meine jetzige Situation allhier nicht litte, ihn Selbst zu sprechen. Ihr müsset auch alles so einrichten, damit er nur je eher je lieber nach Wien zurück gehe, denn Ich nicht eher ruhig sein werde, bevor er nicht wieder von Breslau weg ist.

An Valory sollet Ihr alsdann communiciren, dass Mir der wienerische Hof Niederschlesien mit Breslau angetragen hätte, um Mich von Frankreich zu detachiren. Ich wäre aber inalterabel, und nichts in der Welt fähig, Mich von Meiner Allianz mit Frankreich abzuführen. Ich würde ihnen jedesmal alle dergleichen Anträge communiciren, in der festen Hoffnung, man würde eine gleiche inviolable Treue Und Confidence gegen Mich haben. Von der auf der Karte gezogenen Linie brauchet Ihr an Valory nichts zu sagen, sondern ihm nur einen Extract des Projets zu geben, damit die Kron Frankreich von solchen Vues und der fortwährenden Liaison des sächsischen Hofes mit dem zu Wien und Hannover überzeuget sein möge. Ich erwarte Eure Antwort und bin etc.

Faites-moi partir ce coquin de négociateur que je ne puis souffrir, il serait infâme à moi d'entrer en négociation avec l'Autriche et l'Angleterre, et je risquerais même beaucoup, et, après tout, la guerre que nous faisons est avec une partie bien forte, au lieu que l'autre serait guerre également, avec une partie faible, avec mes ennemis, sans sûreté pour moi, sans honneur, et avec lerisque de toutes mes provinces de Westphalie. Chassez-moi ce coquin de Robinson, et comptez que, s'il reste plus de 24 heures à Breslau, je prends l'apoplexie. Envoyez-moi un courrier, quand vous l'aurez chassé, que je le sache dehors; si je le rencontre ou si je le trouve dans mon chemin, je le dévisagerai; et sa ..... reine de Hongrie et son fol de roi d'Angleterre n'ont qu'à être la dupe, l'une de son orgueil et l'autre de sa sottise. Adieu, sans plus de délai, exécutez mes ordres, et s'il vous demandait encore une audience, refusez-la-lui tout plat.

Federic.

P.S.

Ihr habt auch den Valory zu disponiren, dass er dem Cardinal von dieser Sache sofort gebührende Ouverture giebet, wie Ihr dann auch wohl selbsten an den Cardinal ein Schreiben aufsetzen und ihn darin <322>überzeugen könnet, wie dass wir alles thun um die Freundschaft und Confidence der Kron Frankreich gegen uns zu vermehren, dagegen auch von ihm eine gleiche Sincérité und Droiture vermuthen.

Nach der undatirten Ausfertigung (praes. 1. Sept.). Der französische Zusatz eigenhändig.



320-2 „Projet que la cour de Vienne a remis au sieur Robinson pour servir à un traité à faire avec elle et le Roi de Prusse, à Presbourg 24 août 1741.“ Vergl. Arneth I, 242. 396. Droysen V, 1, 314.