<39> goutiret haben. Ich bin persuadiret, dass das Schreiben, so Dieselbe an denselben abgelassen, auf ihn Impression machen und ihn aus einem Labyrinth ziehen werde, welchen er vielleicht einmal selbst regrettiren dörfte. Ich muss es gegen Ew. Excellenz frei gestehen, obschon in höchster Confidence, dass mir dieses Mannes geändertes bisheriges Betragen ganz sehr étrange vorgekommen. Als des Königs Majestät Dero Marsch aus Sachsen Allerhöchstselbst bekannt machten1 und die damit verknüpfte Hasards und sehr fatigante Märsche vorstelleten und ihm dabei auf das gracieuseste überliessen, ob er solche mitthun oder sich entschliessen wollte, weil Sie ihm in Sachsen inzwischen keinen sicheren Ort seines Aufenthaltes dermalen anzuweisen wüssten, nach Berlin oder Magdeburg gehen wollte,2 um alsdenn Höchstderoselben, nachdem sich die Umstände geändert hätten, wiederum zu folgen, so antwortete er darauf mit vieler Politesse, dass er des Königs Majestät folgen und alle Gefahr und Fatigues um so weniger ansehen würde, als er von seinem Hofe die positive Ordre ein- vor allemal habe, des Königs Majestät überall in Campagne zu folgen. Es ist an dem, dass die Gesundheit und Kräfte desselben bei denen dermaligen extrem fatiganten Märschen etwas gelitten, daher er auch aus dem Lager bei Hermannsdorf nach Breslau, um sich zu remittiren, abgegangen, woselbst ihn auch, als auf ein paar Stunden dahin gehen müssen, ziemlich remittiret gefunden habe. Wie er aber, sowie vorhin gemeldet, bei des Königs weiterem Marsch nach dem Gebirge und nachher nach Sachsen zu folgen Bedenken trug, so gestehe, dass seit der Zeit eine gewisse Froideur, selbst in Égard des Königs, an ihm gespüret, die mich so betrübet als Soupçons gegeben und worunter mich ein sicherer Brief, den ich heute früh noch von einer vertrauten Hand aus Glogau erhalten, so mehr bestärket, da man darin schreibet: „Der M[itchell] ist ganz hingerissen, er siehet niemand als den P.3 Ich glaube, dass gewisse Sentiments sehr adoptiret werden. Die Abwesenheit des M[itchell] vom Könige schlägt hier viele sonst gut gesinnete nieder, da sie daraus übele Urtheile fällen.“ — Ich kann vor die Richtigkeit dieses Avis nicht repondiren, gehe auch mit zitternden Händen daran, Ew. Excellenz etwas davon zu melden, geschweige mich weiter darin zu meliren, mich einig und allein auf Deroselben Gewogenheit und Discretion verlassend; ich glaube aber, dass es sehr gut und nöthig sei, dass Ew. Excellenz auf eine so gute Art einen Versuch gethan haben, gedachten Minister von dort weg und näher à portée an des Königs Majestät zu bringen. Hier wird doch das Théâtre sein, wo sich der Ausgang der Campagne wird decidiren müssen und wo man alsdenn wird auf den Frieden oder Continuation des Krieges zu denken haben.

Ich gestehe, dass mir nunmehro die Last zu schwer und unerträglich wird, so vielen Eifer und Lust ich auch sonsten zu allem, und aller Beschwerlichkeiten ohnerachtet, bezeiget und gefühlet habe. Ausser allen äusserlichen Nachrichten über alle betrübte Begebenheiten, so mir das Herze navriren, seind andere Umstände, so ich der Feder ohnmöglich anvertrauen kann, die mich in eine derer affreusesten und gefährlichen Situation setzen und die mir den Kopf so derangiren, dass solcher mir drehen müsste, wenn mich der Höchste nicht soutenirte. Es ist aber auch ohnmöglich, solches länger zu souteniren, ohne zu succumbiren. Ich würde mich vor den glücklichsten Menschen von der Welt schätzen, wenn ich nur eine Gelegenheit finden könnte, die Gnade zu haben, mit Ew. Excellenz nur eine Stunde darüber zu expectoriren ; so etwas glückliches aber hat mein hartes Sort mir nicht vorbehalten, dahero ich auch ohne Miracul unterliegen muss. Es ist mir genug, wenn Ew. Excellenz nur einiges gnädiges Mitleiden mit mir deshalb haben und etwas davon wissen; vermittelst der Feder aber deshalb in einiges Détail zu gehen, ist mir ohnmöglich und würde insensé sein. Ich bitte Ew. Excellenz indess, nur darüber Sich nicht beunruhigen, noch einige Umstände davon approfondiren zu wollen.

Des Königs Majestät, die heute wegen eines verspüreten innerlichen Échauffe-



1 Vergl. Nr. 12412.

2 So.

3 D. i. den Prinzen [Heinrich].