<63> verfolgte sie und fiel ihnen zum zweitenmal in die Flanke, was bei den Polen einen neuen Dorfbrand und einen neuen Rückzug bewirkte. Angesichts dieser Gefahr unternahm die polnische Reiterei einen allgemeinen Ansturm. Sie griff die Verbündeten von der Seite, im Rücken und in der Front zugleich an. Alle Truppen aber waren darauf vorbereitet, sie bestens zu empfangen: die Reserve warf die zurück, die von rückwärts kamen; die seitwärts aufgestellten Truppen schlugen die Flankenattacken ab, und die Schlachtftont selbst brachte mit einigen Salven Unordnung in die Angreifer, sodaß sie nach allen Richtungen entflohen. Die Nacht hemmte die Schweden für diesmal in der vollen Ausnutzung des Sieges. Sie warteten auf dem Schlachtfeld mit den Waffen in der Hand den nächsten Tag ab, der ihren Triumph vollenden sollte.

In der Frühe des nächsten Morgens (30. Juli) entschloß sich der König von Schweden, seine Schlachtordnung neuerdings zu ändern. Er formierte die beiden ersten Treffen aus Infanterie und stellte seine Reiterei ins dritte Treffen, mit Ausnahme der Kürassiere und der brandenburgischen Dragoner, die der Kurfürst auf den rechten Flügel seiner Truppen nahm; denn die Gelegenheit schien ihm günstig, seine Reiterei zu verwerten.

Der Feind war im Besitz eines Gehölzes1 geblieben, das dem linken Flügel gegenüber lag. Eine Artilleriebrigade, unterstützt von 500 Reitern, wurde dorthin ausgeschickt. Nach ein paar Kanonensalven verjagte die Reiterei den Feind aus dem Gehölz, und die Verbündeten ließen es von 200 Mann Infanterie besetzen. Dies Vorgehen war um so nötiger, als die Feinde, solange sie Herren des Gehölzes blieben, ihre Reiterei decken, sodaß man ihr nur schwer etwas anhaben konnte. Nunmehr griff der Kurfürst die polnische Reiterei, an, die auf einer Anhöhe2 aufmarschiert stand, warf sie über den Haufen in einen dahmterliegenden Sumpf und zersprengte sie gänzlich. Da die feindliche Infanterie sich von ihren Reitern im Stich gelassen sah und ihre Kanonen schon am Tag zuvor verloren hatte, ergriff sie in vollständiger Verwirrung die Flucht, ohne die Schwedn und Brandenburger abzuwarten. Schleunigst flüchtete sie über die Weichsel zurück, in so arger Unordnung, daß viele ertranken. Und da sie sich selbst hinter dem Strom nicht in Sicherheit glaubte, ließ sie auch Warschau im Stich. Die Stadt ergab sich am nächsten Tag den Siegern.

Das polnische Heer verlor in den verschiedenen Kämpfen 6 000 Mann. Die Verbündeten waren von all den Strapazen so erschöpft und vom dreitägigen Hungern so entkräftet, daß sie außerstande waren, die Besiegten zu verfolgen.

Johann Kasimir hatte der Niederlage seiner Truppen persönlich beigewohnt. Die Königin, seine Gemahlin3, und einige der ersten Senatorinnen des Königreichs waren von der Weichselbrücke aus Zuschauerinnen gewesen. Aber sie halfen nur die Hindernisse, die Verwirrung und Schmach einer regellosen Flucht mehren.


1 Das Wäldchen von Praga.

2 Es handelt sich um nördlich von dem Wäldchen von Praga sich hinziehende Dünenhügel.

3 Luise Marie.