<137>brechen, sowohl um Terrain zu gewinnen wie den Feind um Böhmen besorgt zu machen. Denn die Wiedereinnahme Dresdens war nur möglich, wenn das Gros der österreichischen Armee nach Böhmen abgelenkt wurde. Die Ausführung des Planes schob der Prinz bis zur Ankunft des Generals Billerbeck auf, der aus Pommern zu ihm stoßen sollte1. Um aber derweilen beim Feinde nicht den Schatten einer Ahnung über die eigenen Absichten aufkommen zu lassen, führte der Prinz mehrere Scheinbewegungen aus. Er unternahm einige Demonstrationen nach dem Herzogtum Altenburg und nach Penig, um den Feind glauben zu machen, daß er etwas gegen diesen Teil Sachsens vorhätte.

Mittlerweile stieß Billerbeck in Lommatzsch zu Jung-Stutterheim. Das war das Signal für alle Truppen, die die Mulde überschreiten sollten, sich in Marsch zu setzen. Sie versammelten sich am 11. Mai abends, jedes Korps an dem ihm zugewiesenen Orte. Alles in allem betrug diese Streitmacht 21 Bataillone und 35 Schwadronen. Sie wurde in vier Kolonnen geteilt. Die eine unter Seydlitz zog sich hinter Möckwitz zusammen, die zweite unter Kanitz hinter dem Dorfe Zschörnewitz. Alt-Stutterheim, der auf dem Petersberge kampiert hatte, rückte nach Zschackwitz, während die Husaren und die leichten Truppen unter Kleist zwischen Zweinig und Haßlau aufmarschierten. In der Nacht näherten sich die vier Kolonnen in verdecktem Marsche den Muldeufern und verbargen sich hinter einer Schlucht, die dem Feinde ihre Nähe und ihre Absichten verbarg. Prinz Heinrich hatte die Batteriestellungen selbst ausgesucht. Das Geschütz wurde aufgefahren und mit Strauchwerk maskiert, sodaß es beim ersten Signal gegen die Schanzen der Kaiserlichen feuern konnte.

Das feindliche Detachement, das der Prinz angreifen wollte, wurde von dem österreichischen General Zedtwitz kommandiert. Es konnte Hilfe von den in Freiberg, Chemnitz und Waldheim kantonnierenden Truppen erhalten, war 4 000 Mann stark und hatte die Schanzen in den Schluchten und auf den Bergen mit Infanterie und Artillerie besetzt. Unter ihrem Schutze hatten sich die Kroaten und Panduren in verschiedenen Detachements längs der Mulde ausgebreitet. Allnächtlich sah man die Truppen im Biwak. Auch hatte man beobachtet, daß sie jeden Morgen bei Tagesgrauen, etwa um 4 Uhr, in ihre Zelte rückten. Auf Grund dieser Wahrnehmungen hatte der Prinz den Angriff auf 7 Uhr morgens festgesetzt.

Die preußischen Jäger, die in Zeschwitz standen, begannen jedoch, sei es aus Zufall, sei es aus Ungeduld, schon vor der bestimmten Zeit zu scharmützeln. Es war erst 6 Uhr morgens (12. Mai). Prinz Heinrich entschloß sich nunmehr, früher anzugreifen2. Auf das Signal hin, das ihnen gegeben wurde, gingen die vier Kolonnen unter dem Schutze von 40 Geschützen sofort über die Mulde. Seydlitz führte die Kavallerie durch die Furt von Technitz und stieß unterwegs im Dorfe Masten auf Kroaten, die sich in eine nahe Schanze retteten. Gleichzeitig packte Kleist, der die Mulde weiter unter-


1 Vgl. S. 133.

2 Gefecht bei Döbeln, 12. Mai 1762.