12915. AN DEN GENERALLIEUTENANT PRINZ FRIEDRICH EUGEN VON WÜRTTEMBERG.

Kunzendorf, 28. Mai 1761.

Dem Prinzen werden für seine bei Eintreibung der Contribution aus Mecklenburg „bezeigete Sorgfalt und gemachte gute Dispositiones“ 5000 Thlr. offerirt. Was demnächst Ew. Liebden Marsch nach Hinterpommern anbetrifft, so ist es Mir lieb gewesen zu vernehmen, dass Dieselbe den 4. dieses in der Gegend von Colberg eintreffen werden. Die Idee, so Dieselbe haben, den Generallieutenant von Werner mit denen Husaren und dem Freibataillon vorstehen zu lassen,421-3 approbire Ich überall gar sehr; indess so viel Meine Nachrichten jetzo gehen und was Ich bis<422> dato von der Campagne derer Russen urtheilen kann, da ist solches: dieses, dass die Russen zuerst ihre Tentative auf Colberg thun werden, das Gros ihrer Armee aber sich gegen Posen setzen dörfte. Wenn solche sehen werden, dass ihnen ihr Coup auf Colberg manquiret, so ist zu präsumiren, dass, auf ein entsetzliches Geschrei so die Oesterreicher bei denen Russen machen werden, um ihnen zu Hülfe zu agiren, letztere alsdenn sich ganz und gar nach Schlesien wenden oder aber auch was gegen die Neumark werden tentiren wollen. Auf solchen letzteren Fall nun werden Ew. Liebden Sich mit dem Corps wohl gegen die Oder wenden müssen, um Sich mit einem Corps, so aus Sachsen dahin kommen wird, oder auch mit dem Generallieutenant von Goltz zu conjungiren, da dann zu sehen sein wird, wie des Feindes Absichten gegen die Mark gleichfalls zu hintertreiben und zu vereiteln sein werden. Sollte aber die russische Armee sich gänzlich nach Schlesien wenden wollen, so werden Ew. Liebden auf solchen Fall, und wenn nichts von den Russen in Pommern oder der Neumark geblieben, zu suchen haben, auf Posen und den Feind im Rücken zu gehen, um ihm das Magazin zu Posen und überall daherum wegzunehmen. Dieses seind bis dato Meine ohngefährliche Gedanken über dieses Sujet, welches sich denn hiernächst noch weiter aufklären muss.

Friderich.

Nach der Ausfertigung im Königl. Haus- und Staatsarchiv zu Stuttgart.



421-3 Auf dem Bericht des Generals von Goltz, d. d. „im Lager bei Zerbau“ 28. Mai, finden sich die Weisungen für die Antwort: „Schreibe ihm dabei, was gestern an Prinz Württemberg, wenn Husaren vorschicket. Laudon mehr nach Glatz und Oberschlesien zöge, aber noch nicht weiter. Daun stehet noch wie vorhin. Russen bewegen [sich], doch w[ir] br[auchen] nichts vor Ende Juni oder Juli [zu besorgen].“